Das Herausragende an Theaterarbeit ist für mich der Umgang mit lebendigem, eigensinnigem oftmals widerspenstigem „Material“. Manchmal fühle ich mich in der Rolle der Regisseurin als Parasit, immer darauf angewiesen und davon abhängig, dass andere meine Visionen, meine Ideen Realität werden lassen, sie materialisieren. Und zugleich ist dies für mich die
Essenz eines guten Probenprozesses. Das Ringen meiner abstrakten Vorstellung mit den
realen Körpern, Stimmen und der eigenen Kreativität der Schauspieler, lässt in den
Zwischenräumen, in den Spannungsfeldern zwischen den einzelnen Akteuren eines solchen
Prozesses, die schönsten Spielmomente entstehen. Es ist meine Erfahrung und Überzeugung,
dass ich mich alleine in einem sehr begrenzten Horizont bewege und – wenn es ein Anliegen
von künstlerischer Arbeit ist etwas Neues, auch für mich selbst Unerwartetes zu schaffen –
ich immer auf die Begegnung und die Auseinandersetzung mit anderen Menschen angewiesen
bin. An den Reibungsflächen zwischen unterschiedlichen und eigenwilligen
Herangehensweisen entsteht eine elektrisch aufgeladene Atmosphäre, in der die tatsächlich
überraschenden Momente wie Funken hervorbrechen.
