Nora Schüssler

Theater ist ja die lebendigste Kunstform überhaupt. Und deswegen auch die, mit der man die
Menschen anders erreichen kann als durch andere Medien. Mein Anspruch an Inszenierungen ist,
dass sie Erwartungen durchbrechen und Grenzen einreißen, die die Gesellschaft vorgibt. Theater
muss Offenheit suggerieren. Für Fremdes. Für Neues. Für Unerhörtes. Für all das, was gerne unter
den Teppich gekehrt wird. Das muss nicht tragisch und dramatisch sein sondern kann auch charmant
und luftig über die Bühne ins Publikum wehen.
Die Ästhetik einer Inszenierung trägt entscheidend dazu bei, dass das gelingt. Sie soll dem Zuschauer
sinnlich erfahrbar machen, was rational vielleicht gar nicht erfassbar ist. Die Komplexität der Welt
lässt sich durch [Sprach]Bilder auf die Bühne bringen – immer mit mehreren Bedeutungsebenen.
Jede Arbeit an einem Theatertext ist ein neues Abenteuer mit unendlich vielen Möglichkeiten, die
man auf einen ästhetischen Nenner bringen will. Jedes Mal beginne ich bei Null und mein Anspruch
ist es, am Ende eine Inszenierung auf der Bühne präsentieren zu können, die in all ihrer Komplexität
doch in sich ein abgerundetes Bild abgibt.